Musikalische Unterhaltung bei Hofe – Sonaten und Partien von Johann Graf & Carl Hoeckh

Konzert in Zerbst im Rahmen der Fasch-Festtage 2025 jetzt als Live-Mitschnitt auf CD in limitierter Auflage

Konzert Zerbst 2025

Fasch-Festtage 2025

Rückblick: Zerbst, 21. Juni Fête de la musique

Es war heiß, sogar sehr heiß. Eigentlich das perfekte Wetter für den längsten Tag des Jahres und die geplante Fête de la musique Party in Zerbst. Fröhlich lachte die Sonne schon den ganzen Vormittag in den Saal des Rathauses. Wir hatten uns viel vorgenommen: Generalprobe, die schon mitgeschnitten wurde, um unschöne Patzer oder Huster des Konzertes reparieren zu können. Ganz kurze Mittagsverschnaufpause. Dann 15 Uhr das Konzert. Inzwischen hatte die Sonne unseren Konzertsaal in eine Sauna verwandelt – eine Herausforderung nicht nur für uns, sondern auch für das Publikum.

Zu heiß, zu kalt, zu trocken, zu feucht – es gibt immer irgendwelche Unwägbarkeiten und selten einen Konzertort mit dem idealen Klima. Die Darmsaiten, die wir auf den barocken Streichinstrumenten spielen, reagieren sofort. Stahlsaiten sind da robuster, aber trotzdem möchten wir nicht auf den besonderen Klang der Darmsaiten verzichten. Bequemlichkeit ist da beim Musizieren im aufführungspraktischen Sinne unangebracht. Man fragt sich, wie es die Musiker damals gemacht haben. Waren sie es gewöhnt oder litten auch sie unter klimatischen Veränderungen?

Wir hatten unseren Mitschnitt geplant, um diese Unterhaltungsmusik bekannt zu machen. Zu viele schöne Autographen verstauben in den Kisten der Bibliotheken. Das ist bedauernswert. Die kleinen Juwelen bei Hoeckh und Graf, diese kurzen Sätze, in denen so viel steckt: ein Lächeln, eine Laune, ein Tänzchen, eine Melancholie, eine Träne, ein Seufzer… Sie sind kurzweilig und unterhaltsam, keineswegs schwermütig oder kompliziert anzuhören.

Wurde diese Musik beim Souper oder nach dem Dessert „gereicht“? Wurde beim Kaffeeklatsch dabei geplaudert oder lauschte man andächtig? Radio oder CD gab es damals nicht und alles wurde live gespielt. Heute ist das ganz anders, beim Konzert sind Gespräche äußerst verpönt, jedoch zu Hause hört man CDs oft nur im Hintergrund zur Hauswirtschaft oder sogar zu Gesprächen. Auch spazieren gehen kann man mit Musik im Ohr.

Konzert Zerbst 2025, Foto Emma Luisa Halte

Am Abend durften wir uns auf der Schloßfreiheit als „Barockband“ zur Fête de la musique noch einmal richtig austoben.

Hoeckh & Graf – zwei begabte Geigenvirtuosen

Zu jeder Zeit gab und gibt es virtuose Geiger, die durch ihr Spiel die Zuhörer bezaubern und begeistern. Die Virtuosen der Barockzeit erleben wir heute nur noch durch ihre Kompositionen, denn sie schrieben ihre Werke für sich selbst und hinterließen damit ihre „Visitenkarte“. Carl Hoeckh und Johann Graf gehören zu diesen komponierenden Geigern, die uns heute staunen lassen, welche Virtuosität und auch welcher Ideenreichtum in ihren Werken zu finden ist. Beide waren als Konzertmeister am Hofe angestellt, Graf in Rudolstadt und Hoeckh in Zerbst. Graf komponierte seine Partien noch im barocken Stil, war Zeitgenosse Bachs und ein Freund Telemanns. Hoeckh dagegen drückte seine musikalischen Gedanken schon im Stile der Empfindsamkeit aus. Beide großartigen Meister der Violine sind weitgehendst unbekannt geblieben. Aber haben nicht auch sie die Musikwelt der damaligen Zeit geprägt? Zeugen nicht ihre Werke von der hohen Qualität der Musik zur Unterhaltung an den Fürstenhöfen?

Wir bedauern es sehr, dass solche Musik in den Archiven verstaubt. Deshalb möchten wir diesen Mitschnitt veröffentlichen. Eine Auswahl der Partiten und Sonaten soll die beiden Virtuosen auch in der heutigen Zeit zu Wort (Ton!) kommen lassen, denn schöne Dinge braucht unsere Welt damals wie heute.

An dieser Stelle sei auch noch einmal allen gedankt, die unsere Begeisterung für diese Musik teilen und uns dabei unterstützen, sie auszugraben, einzustudieren und letztlich vor allem einem Publikum vorzustellen. Allen voran sei Herrn Dr. Manfred Fechner gedankt, der uns überhaupt erst auf die Spur zu Johann Graf gebracht hat. Durch seine musikwissenschaftliche Aufbereitung der Sonaten von Johann Graf entstand unsere schöne CD.

Anne Schumann, Oktober 2025

Nehmen Sie bitte bei Interesse Kontakt zu uns auf, wir senden Ihnen gern eine oder mehrere CDs gegen eine Spende für unser Projekt zu.

Programm

des Live-Mitschnitts vom Konzert am 21. Juni 2025 im Rathaussaal Zerbst im Rahmen der 18. Internationalen Fasch-Festtage

Konzert Zerbst 2025, Foto Dirk Böhme

# Carl Höckh (1707 – 1773)
Sieben Parthien von zweyen Violinen und Baß von Carl Höckh Hochfürstl. Anhaltzerbstschen Konzertmeister

+ Johann Graf (1684 – 1750)
VI kleine Partien con II Violini, Viola e Basso herausgegeben von Johann Grafen/ Hoch=Fürstl. Schwartzburgischen Concert-Meister zu Rudolstadt Fünfftes Opus

Carl Hoeckh
Parthia VII für 2 Violinen und B.c. #
Allegro – Andante – Allegro

Johann Graf
Partia II für 2 Violinen, Viola und B.c. +
Aria un poco Vivace – Bourée – Dolce – Menuet

Carl Hoeckh
Sonate für Violine und B.c. *
Adagio – Allegro – Affectuoso

Carl Hoeckh
Parthia II für 2 Violinen und B.c. #
Allegro – Andante – Presto

Johann Graf
Partia I für 2 Violinen, Viola und B.c. +
Aria – Scherzo – Siciliana – Menuet

Johann Graf 
Sonate für Violine und B.c. op II/ 3 *
Adagio – Allegro – Adagio – Giga

Carl Hoeckh 
Parthia V für 2 Violinen und B.c. #
Allegro – Andante – Allegro di molto

Johann Graf
Partia IV für 2 Violinen, Viola und B.c. +
Aria Largo – Menuet – Capriccio – Polonaise

* Anne Schumann, Violine solo, Manuskript aus der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek

Biografien

Anne Schumann – Violine

Anne Schumann – Violine

Vita

Caspar Erler – Violine

Caspar Erler – Violine

entstammt einer Musikerfamilie. Er studierte Violine in der Klasse von Prof. Christian Uhlig an der „Hochschule für Musik Carl Maria von Weber“ in Dresden.

Bereits während der Schul – und Studienzeit spielte er regelmäßig in Ensembles der alten und modernen Musik. Aktuell ist er als freischaffender Künstler in und um Dresden und ganz Deutschland aktiv.

Zahlreiche Impulse für seine ausgeprägte Verbundenheit zur Alten Musik erhält er durch die regelmäßige Teilnahme an Projekten des Jugendbarockorchesters „Bachs Erben“ sowie Projekten mit der Kirchenmusikhochschule Dresden und regelmäßig stattfindenden Kantatenprojekten der Dresdener Hochschule im Marcollini Palais Dresden-Friedrichstadt.

Außerdem ist er Mitglied im „Ensemble Ponticello“ sowie dem Alte Musik Ensemble „Perpetuum Regensburg“, Mitbegründer des Kammermusikensembles „camerata musiKus(s)“ und spielt regelmäßig in dem Dresdener Orchester „Sinfonietta Dresden“ , dem Leipziger Barockorchester „Ensemble Lachrymae“ , dem Freelance Orchester „Sinfonia Leipzig“ sowie dem „Telemannisches Collegium Michaelstein“.

Er ist Teilnehmer der Bachwoche Stuttgart in Zusammenarbeit mit Hans-Christoph Rademann. Konzertreisen führten ihn bereits in Konzertsäle in Frankreich, Polen, Israel, Finnland und Russland. Außerdem ist er Mitglied und Violinist der Balkanband „Balkaneros Dresden e.V.“

Klaus Bona – Viola

Klaus Bona – Viola

studierte Violine und Viola an der Musikhochschule in Münster (Westf.). Es folgten weitere Studien an der Akademie für Alte Musik in Bremen bei Monica Hugget und Meisterkurse u.a. bei Katherine Mackintosh und Richard Gwilt.

Neben seiner pädagogischen Tätigkeit konzertiert Klaus Bona als freischaffender Geiger und Bratschist in verschiedenen Ensembles für Alte Musik wie der Hannoverschen Hofkapelle, dem Telemannischen Collegium Michaelstein, Les Amis de Philippe, Capella Orlandi Bremen und anderen.

Klaus Voigt – Viola da spalla

Klaus Voigt – Viola da spalla

stammt aus der Musikstadt Sondershausen. Er studierte an der Musikhochschule Weimar moderne Viola. Nach Engagements an Orchestern in Magdeburg und Leipzig ging er 1989 zum Telemann-Kammerorchester nach Blankenburg.

Seit 1995 widmet er sich ausschließlich dem historischen Instrumentarium. Er überträgt historische Handschriften in moderne Notenschrift und engagiert sich für die Erschließung und Aufarbeitung unbekannter Werke. Um diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen, gründete er 2001 mit anderen Musikern das Telemannische Collegium Michaelstein.

Neben der Barockviola spielt Klaus Voigt Viola d‘amore und seit 2012 auch Viola da Spalla – ein kleines Violoncello, das mit einem Gurt vor der Brust gehalten wird.

Sebastian Knebel – Cembalo

Sebastian Knebel Cembalo

Vom Handwerkslehrling (Orgelbauer) zum gefragten Spezialisten für Orgel- und Cembalomusik des 17. und 18. Jahrhunderts in Mitteldeutschland – so kann man die Karriere von Sebastian Knebel beschreiben.

Doch war er bereits während seiner Lehrzeit als Organist an mehreren Berliner Kirchen tätig. Nach Studium an der Dresdner Kirchenmusikschule setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar und an der Folkwang-Hochschule in Essen fort. Eine umfangreiche solistische Tätigkeit machten Sebastian Knebel als Cembalist, Organist und Hammerflügelspieler bekannt.

Konzertreisen führen ihn regelmäßig ins europäische Ausland, in die USA und – als einer der künstlerischen Leiter des renommierten „Festival de Musica Barocca de San Miguel Allende“ – nach Mexiko. Zudem ist er ist Organist und Cembalist des Collegium Marianum Prag, der Capella Saggitariana Dresden und des Telemannischen Collegium Michaelstein, außerdem steht er dem Dresdner Instrumental-Concert vor und leitet das Vocalconsort labia vocalia. Nach einer Saison (2007/8) als Gastorganist an der Christ the King Lutheran Church in Houston (Texas) und bei der Houston Bach Society musiziert er nunmehr oft in Houston und ist inzwischen auch Ensemblemitglied der Capella Ventapane Houston.

Als Orgelfachmann und Vorstandsmitglied im Verein „Dresdner Hofmusik“ setzt sich Sebastian Knebel für die Etablierung der im Wiederaufbau befindlichen Dresdner Schloss-Kapelle als Konzertstätte ein – und deren Ausstattung mit der originalgetreuen Rekonstruktion (Nachbau) des dort einst befindlichen, von Gottfried Fritzsche in den Jahren 1612/14 erbauten Orgelwerks.

Musikalisch eng verbunden ist er mit Anne Schumann – bilden doch beide Musiker den künstlerischen Kern im Ensemble „Fürsten-Musik“.

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